Aufbau

Schema

Schema-Kompetenzkatalog-Verkehrsbildung-bfu-WEB

Erläuterung

Das Schema zeigt die Aufteilung des Lernfelds Verkehrsbildung in 4 verschiedene Kompetenzbereiche. Jeder der Kompetenzbereiche umfasst wiederum 3-4 grundlegende Kompetenzen. Wenn die insgesamt 13 Kompetenzen auf einem guten Niveau entwickelt sind, ist eine nicht gefährdende und (aus eigenem Handeln) gefahrenverminderte Teilnahme am Verkehr gesichert.

Struktur und Aufbau

Kompetenzbereiche der Verkehrsbildung

Das breit gefächerte Lernfeld Verkehrsbildung ist in 4 Kompetenzbereiche unterteilt:

  • Regeln und Vorschriften
  • Umgang mit Verkehrsmitteln
  • Situationsgerechtes Verhalten
  • Verantwortung und Umwelt

Grundkompetenzen

Jeder der oben erwähnten Kompetenzbereiche ist in verschiedene Grundkompetenzen unterteilt. Bei den insgesamt 13 Grundkompetenzen handelt es sich um grundlegende, übergeordnete Kompetenzen, die sich nicht auf eine spezifische Form der Verkehrsteilnahme beziehen, sondern allgemeinen Charakter haben.

  • Kompetenz 1.1: Regeln und Vorschriften zum Verkehrsraum kennen und einhalten
  • Kompetenz 1.2: Regeln und Vorschriften zu den Verkehrsmitteln kennen und einhalten
  • Kompetenz 1.3: Den Sinn von Regeln und die Auswirkungen der Verletzung von Regeln erklären und berücksichtigen
  • Kompetenz 2.1: Das Verkehrsmittel kennen und den praktischen Umgang damit beherrschen
  • Kompetenz 2.2: Die sicherheitsrelevante Ausrüstung des Verkehrsmittels und die eigene Schutzausrüstung kennen und einsetzen
  • Kompetenz 2.3: Besondere Risiken und Gefahren der (benutzten) Verkehrsmittel einschätzen können
  • Kompetenz 3.1: Gefahren frühzeitig wahrnehmen und Risiken vermeiden.
  • Kompetenz 3.2: Eigene Fähigkeiten und eigenes Verhalten reflektieren und auf das Verkehrsumfeld abstimmen
  • Kompetenz 3.3: Verkehrsmittel situationsgerecht einsetzen
  • Kompetenz 3.4: Sich bei Unfällen und Pannen der Situation angepasst verhalten
  • Kompetenz 4.1: Die eigene Verantwortung im Verkehr erkennen und sich entsprechend verhalten
  • Kompetenz 4.2: Einflussfaktoren und Einschränkungen der eigenen Fahrfähigkeit erkennen und sich verantwortungsvoll verhalten
  • Kompetenz 4.3: Die Auswirkungen der Mobilität auf die Umwelt beschreiben und die eigenen Mobilitätsbedürfnisse umweltschonend umsetzen

Altersspezifische Kompetenzniveaus

Für jede der Grundkompetenzen wurden altersspezifischen Kompetenzniveaus formuliert. Die Altersgruppen entsprechen dabei weitgehend den üblichen Gruppierungen/Stufen des Bildungssettings:

  • 0–3 Jahre: Vorschule
  • 4–8 Jahre: Kindergarten bzw. erste Schuljahre der Primarstufe (Basis-, Grund- oder Eingangsstufe genannt)
  • 9–12 Jahre: weitere Schuljahre der Primarstufe
  • 13–15 Jahre: Sekundarstufe I
  • 16–20 Jahre: Sekundarstufe II, Allgemein- resp. Berufsbildung; Führerscheinausbildung
  • Weiterbildung: umfasst die gesamte freiwillige Weiterbildung nach der Führerscheinausbildung

Die Komplexität baut sich dabei über die Altersstufen hinweg wie folgt auf:

  •  Anwendung in zunehmend komplexeren Verkehrssituationen
  •  Anwendung auf zusätzliche, komplexere Verkehrsmittel
  •  Anwendung mit höheren Ansprüche an Selbstständigkeit, Rücksichtnahme und Verantwortung

Das formulierte Kompetenzniveau soll am Ende der jeweiligen Altersgruppe von der Mehrheit der Kinder und Jugendlichen erreicht werden. Für die Grundkompetenz 2.1 lauten die altersspezifischen Kompetenzniveaus beispielsweise wie folgt:

Microsoft Word - Total Texte Kompetenzkatalog Verkehrsbildung.do

Konkretisierung pro Mobilitätsform

Eine weitere Konkretisierung ist die Anwendung der altersspezifischen Kompetenzniveaus auf die verschiedenen Mobilitätsformen resp. Verkehrsmittel. Es wird nach folgenden Mobilitätsformen unterschieden:

  • zu Fuss unterwegs
  • fahrzeugähnliche Geräte (FäG) wie Laufrad, Trottinett, Rollschuhe usw.
  • Fahrrad
  • Mofa, E-Bike und landwirtschaftliche Fahrzeuge
  • Motorrad und Personenwagen
  • mit dem ÖV unterwegs

Am obigen Beispiel liest sich das wie folgt:

Beispiel-Grundkompetenz-2-1-alleTexte

Findet sich für eine Altersgruppe in einer spezifischen Mobilitätsform keine Kompetenzformulierung, so kann das zwei Gründe haben:

  • Die entsprechende Mobilitätsform ist in dieser Altersgruppe noch nicht erlaubt
  • Gewisse Kompetenzen werden bereits im Kindes- resp. Jugendalter vollständig und auf hohem Niveau erworben. Eine Weiterentwicklung ist deshalb nicht mehr möglich. Sie wird fortan für alle Altersgruppen vorausgesetzt.
Altersgruppen

Die im Kompetenzkatalog festgelegten Altersgruppen entsprechen weitgehend den üblichen Stufen der Schweizer Bildungslandschaft. Verkehrsbildung findet in der Schweiz denn auch meist im Rahmen dieser Bildungssettings statt (vgl. Verkehrsbildung in der Schweiz).

Microsoft Word - Total Texte Kompetenzkatalog Verkehrsbildung.do

Auf die Altersgruppe der 0- bis 3-Jährigen resp. die Situation für die Weiterbildung soll im Folgenden kurz eingegangen werden, da sie besonderen Bedingungen unterliegen:

Die Situation der 0- bis 3-Jährigen

(Quelle: M. Hüttenmoser, Netzwerk Kind und Verkehr) Jüngere Kinder lernen vor allem dadurch, dass sie in einer anregenden Umgebung möglichst selbständig aktiv werden, ihre Neugier stillen und die Lösung auftauchender Fragen selbsttätig erproben können. Die Rolle der Betreuungsperson besteht darin, das Verhalten der Kinder zu beobachten, durch entsprechende Fragen zu lenken und wenn nötig zu beraten und zu unterstützen. Die Formulierung konkreter Verkehrskompetenzen ist in dieser Altersgruppe noch verfrüht. Entwicklungsbedingt sind Kinder nicht in der Lage, selbstständig und selbsttätig am heutigen Strassenverkehr teilzunehmen. Ein Kind kann nur in Begleitung einer verantwortungsvollen Begleitperson daran teilnehmen. Dabei hat sie die Aufgabe, das Verhalten des Kindes zu beobachten, auf seine Neugier am Verkehr zu reagieren und sein Verständnis für die Gefahren des motorisierten Strassenverkehrs auf niederschwellige Weise zu fördern. Kinder müssen zudem die Möglichkeit haben ihre motorischen, kognitiven und sozialen Fähigkeiten so zu entwickeln, dass sie befähigt werden, auf den motorisierten Strassenverkehr richtig zu reagieren. Dafür müssen den Kindern geeignete Räume und Plätze zur Verfügung gestellt werden. Bei den Formulierungen im Kompetenzkatalog wurde dieser Ausgangslage Rechnung getragen.

Weiterbildung im Verkehrsbereich

In der Schweiz ist die persönliche Verkehrsbildung mit dem Erwerb des Führerscheins für Personenwagen i.d.R. abgeschlossen. Mit Ausnahme der Nachschulung von Verkehrsdelinquenten gibt es nur wenige Freiwillige, die sich in diesem Bereich weiterbilden. Der technologische Wandel, der gerade auch in der Verkehrsinfrastruktur sehr schnell von statten geht, hat einen starken Einfluss auf die Herausforderungen an die Teilnehmenden am Strassenverkehr. Konstruktions- und Benutzungsmerkmale der Fahrzeuge, die Gestaltung des Strassenraums und der Verkehrsleitsysteme, angepasste Verkehrsregeln und Vorschriften zur individuellen Mobilität: All diese Veränderungen prägen die Anforderungen an den Menschen im Strassenverkehr. Es liegt in der Verantwortung jedes einzelnen Verkehrsteilnehmers, Wissen, Können und Verhalten im Verkehr so à jour zu halten, dass er stets zur höchstmöglichen Sicherheit beitragen kann. Weiterbildung ist nicht erst im höheren Erwachsenenalter ein Thema, wenn das Erhalten der Fahrtauglichkeit in Frage gestellt ist. Ein Blick auf die Veranstalterliste des Verkehrssicherheitsrats (VSR, fördert und zertifiziert entsprechende Kursangebote privater Organisationen) zeigt, dass ein breitgefächertes Weiterbildungsangebot existiert. Die Kompetenzformulierungen appellieren denn auch an ein individuelles Verständnis der Verkehrsbildung als «lebenslanges Lernen».

Mobilitätsformen, Verkehrsmittel und Gruppen von Verkehrsmitteln

Die verschiedenen Arten der Mobilität bzw. der Verkehrsteilnahme wurden im Kompetenzkatalog Verkehrsbildung wie folgt gruppiert:

  • zu Fuss unterwegs
  • fahrzeugähnliche Geräte (FäG) wie Laufrad, Trottinett, Rollschuhe usw.
  • Fahrrad
  • Mofa, E-Bike und landwirtschaftliche Fahrzeuge
  • Motorrad und Personenwagen
  • mit dem ÖV unterwegs

Bei der Gruppierung konnten nur diejenigen Verkehrsmittel zusammengefasst werden, deren Nutzung über alle 4 Kompetenzbereiche hinweg dieselben Kompetenzen erfordert (z. B. Mofa und E-Bike). Wo dies nicht der Fall ist, werden die Verkehrsmittel separat behandelt (z. B. Fahrrad). Das führt in Kompetenzbereichen, in denen ihre Nutzung denselben Gesetzmässigkeiten unterliegt, zu identischen Formulierungen, was störend wirken kann, aber unumgänglich ist.